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Grußwort Helmut Lamp, MdB
Sehr geehrte Damen und Herren,
der
Biokraftstoffmarkt gewinnt nicht nur in Deutschland zunehmend an Fahrt. Während
die Bundesregierung in ihrem Integrierten Klima- und Energiepaket ihre Absicht
erklärt hat, den Biokraftstoffanteil in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf 17
Prozent zu erhöhen, sollen nun ebenfalls bis 2020 auch die Mitgliedsstaaten der
EU 27 nach Vorschlägen der EU Kommission mindestens 10 Prozent ihres
Kraftstoffverbrauchs im Verkehrssektor mit Biokraftstoffen decken. Um diese
ambitionierten Zielvorgaben zu erreichen, werden große Mengen an
Biokraftstoffen benötigt. Also alles bestens für die deutschen Produzenten?
Nein,
denn es bleibt die Frage, woher die benötigten Biokraftstoffe kommen werden. Während
die Mineralölindustrie daran interessiert sein wird, ihrer Verpflichtung mit
dem preisgünstigsten Biokraftstoff gleich welcher Qualität nachzukommen und
somit Importe den heimischen Biokraftstoffen vorzieht, werden heimische
Anbieter durch die neue Förderpolitik aus dem Markt gedrängt und damit
bestehende Produktionskapazitäten vernichtet. Dies wirft natürlich die Frage
auf, wie nachhaltig, also wie umweltgerecht und unter welchen sozialen
Bedingungen diese Biokraftstoffe überhaupt produziert werden. Die
vernichtende, öffentliche Kritik an den Biokraftstoffen muss als erste Reaktion
auf eine fehlgeleitete Politik verstanden werden.
Der Druck zur Erarbeitung
– und vor allem auch zur Umsetzung – eines zuverlässigen und umfassenden
Zertifizierungssystems der nachhaltigen Biokraftstoffproduktion ist folglich groß.
Doch geben die bestehenden Entwürfe einer Nachhaltigkeitsverordnung Anlass zur
Sorge, befördern sie doch eher noch die Importe aus Staaten mit sensiblen Ökosystemen
als dass sie stärkere Anreize zur Nutzung der heimischen Biomasse setzen.
Dies
mag vielleicht im Sinne derjenigen Kritiker sein, welche die europäischen
Agrarflächen lieber für den Nahrungsmittelanbau reserviert sehen möchten -
obgleich europaweit bis zu 50 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche für den
Energiepflanzenanbau genutzt werden könnten, ohne in Konkurrenz zur
Nahrungsmittelerzeugung oder den Belangen des Umwelt und Naturschutzes zu
treten. Und wer etwas von Landwirtschaft versteht, der weiß, dass auf den europäischen
Äckern eben nicht nur Energiepflanzen für die Biokraftstoffe angebaut werden,
sondern als Nebenprodukt gleichzeitig auch große Mengen hochwertiger
Eiweißfuttermittel produziert werden,
die z.B. zur Deckung unseres rasant steigenden Fleischkonsums oder für die
Erzeugung von Milchprodukten letztendlich ihren Weg in den Nahrungsmittelmarkt
finden. Futtermittel, die ansonsten aus Drittstaaten unter dortiger Ausweitung
z.B. der Sojaanbauflächen importiert werden müssten. Der Flächenmehrbedarf für
den Energiepflanzenanbau in Europa wird somit durch einen reduzierten Flächenbedarf
für den Futtermittelanbau relativiert.
Die
Politik ist somit aufgefordert, den heimischen, europäischen Biokraftstoffmarkt
nicht aus den Augen zu verlieren und leichtfertig aufzugeben. Denn eines darf
auch nicht übersehen werden: Wenn die Biokraftstoffe auch zukünftig für sich
beanspruchen wollen, erneuerbar und nachhaltig zu sein, darf der Import von
Biokraftstoffen nicht mit einem Export unserer Probleme
verbunden sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Förderwürdigkeit der
Biokraftstoffe künftig nur noch am Klimaschutz gemessen werden wird. Die Einlösung
unserer ambitionierten Klimaschutzversprechen darf nicht zu Lasten der
Drittstaaten gehen – Biokraftstoffe, die wir zur Erreichung unserer
Klimaschutzziele importieren, fehlen den Exportstaaten zur Erreichung der
Ihrigen. Dabei macht es aus klimaschutzpolitischen Gründen keinen Unterschied,
wo die fossilen Kraftstoffe substituiert werden. Die Fokussierung der
Biokraftstoffförderung auf den Klimaschutz allein lässt dagegen aber andere
wichtige Gründe außen vor: den Beitrag heimischer Biokraftstoffe zur
Reduzierung der Importabhängigkeit, zur Sicherung der Energieversorgung und
nicht zuletzt zur Stärkung des ländlichen Raumes in Europa.
Sicherlich
werden wir auch zukünftig auf Biokraftstoffimporte angewiesen sein, können und
wollen uns dem auch gar nicht versperren. Aber es muss sichergestellt bleiben, dass
diese nachweislich nachhaltig produziert werden. Die Politik steht vor der
Herausforderung, ihre Förderstrategie dahingehend zu überarbeiten, einen
ausgewogenen und fairen Markt für alle Produzenten zu schaffen und die über
den Klimaschutz hinausgehenden Vorteile europäischer Biokraftstoffe angemessen
anzuerkennen.
Mit
unserem Fachkongress für Biokraftstoffe, „Kraftstoffe der Zukunft“ wollen
wir dazu beitragen, die Weichen für die Weiterentwicklung eines nachhaltigen
Biokraftstoffmarktes in die richtige Richtung zu stellen. So erwarten wir auch
in diesem Jahr wieder 700 – 800 Marktteilnehmer zu unserem alljährlichen Branchentreffpunkt in Berlin. Wir
schauen, wie sich die einzelnen Märkte entwickeln, wo es besonders
hervorzuhebende und zukunftsweisende Projekte gibt, aber auch, welche kritischen Punkte es zu lösen
gilt. Wir fragen nach bei der Politik und sorgen für einen direkten und
fundierten Meinungsaustausch. Wir stellen uns der Diskussion!
Wir
freuen uns, auch Sie hierzu herzlich begrüßen zu dürfen!
Ihr
Helmut Lamp, MdB
Vorsitzender des Vorstandes
Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE)
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